Was du in einer Alexander-Stunde bekommst…

„Das fühlt sich ganz anders an als vorher“, sagt Marie* am Ende ihrer ersten Alexander-Stunde. „Wie lange hält der Effekt eigentlich an?“

„Solange du die Muskeln nicht wieder fest machst“, antworte ich.

Marie grinst.

Die kleine Episode aus einer Alexander-Stunde zeigt, wie ungewohnt es für die meisten von uns ist, die Idee zuzulassen, dass überflüssige Muskelspannung im Normalfall nicht einfach da ist, sondern von uns selbst erzeugt wird.

Wenn wir mit einem bestimmten Problem zu einem Alexander-Lehrer gehen, erhoffen wir deshalb meist eine Antwort auf die Frage, was wir tun sollen, um das Problem aufzulösen.

Alexanders Antwort auf diese Frage ist so einfach wie ungewöhnlich: Er empfiehlt uns schlicht, aufzuhören, das zu tun, was uns schadet. Wenn wir aufhören, das Falsche zu tun, so Alexander, tut sich das Richtige von selbst.**

Wie ungewohnt sich das anfühlen kann, kann man bei der Alexander-Arbeit am eigenen Leib erfahren.

Aber wenn im Alexander-Unterricht also trainiert wird, Dinge bleiben zu lassen, was könnt ihr dann überhaupt einer Alexander-Stunde bekommen? Die 1995 verstorbene Alexander-Lehrerin Marjorie Barstow bringt es auf ihre unvergleichliche Art auf den Punkt: „All you’ll get is the absence of what you had.“***

 

*     Name geändert.

**   So wiedergegeben von Walter Carrington und Margaret Goldie.

*** Auf deutsch  „Alles, was ihr bekommt, ist die Abwesenheit von dem, was ihr hattet.“